Warum nicht alles, was man mit digitalen Medien macht, einen digitalen Mehrwert haben muss, aber häufig hat!

Immer wieder wird man bei Fortbildungen darauf angesprochen, dass das, was man mit digitalen Medien erreichen möchte, doch nicht wirklich viel mehr ist als das, was man mit traditionellen Medien erreicht. Prinzipiell gilt auch, dass es beim Lernen mit iPads nicht um die iPads gehen darf, sondern darum, dass Lernen besser wird.

Allerdings glaube ich, dass digitale Medien durchaus auch ihre Berechtigung haben, wenn nicht unbedingt ein digitaler Mehrwert entsteht. Anhand eines sehr einprägsamen Modells, dass Ruben Puentedura entwickelt hat lässt sich dies vielleicht nachvollziehen. An einem sehr, sehr einfachen Beispiel möchte ich dieses Modell erläutern.

Hektographie
Hektographie

Computer, ob als Smartphone, Tablet oder Rechner am Schreibtisch, lassen sich zum einen natürlich als Ersatz für klassische Medien verwenden (engl. substitution). Statt Arbeitsblättern im Hektographieverfahren – das sind diese nach Alkohol stinkenden meist violett gedruckten Arbeitsblätter, die es zu meiner Schulzeit noch gab – verwenden die meisten Kolleginnen und Kollegen heute Computer um Arbeitsblätter zu erstellen. Ein didaktischer Mehrwert ist da kaum zu erkennen, ein klarer Fall von einfachem Ersatz. Durch Technologie wird eine gedruckte Seite durch eine andere gedruckte Seite ersetzt.

Samr-Model - Bild: Laura Pasquini (flickr)
Samr-Model – Bild: Laura Pasquini

Allerdings muss man sagen, dass die neu entstandene Textseite besser lesbar sein wird und ich kann sie als Unterrichtender auf meinem Computer speichern, die Inhalte kopieren und verändern, Teile löschen und alles zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal ausdrucken. Das ist im Vergleich zur stinkenden Hektographie ein echter Zuwachs an Möglichkeiten (engl. augmentation). Bei dieser Entwicklung würde sicher kaum jemand die damit erreichte Verbesserung bestreiten.

Wenn sich durch die Nutzung des Arbeitsblattes zudem aber noch die Möglichkeit ergibt, ohne erheblichen Mehraufwand drei verschiedene Schwierigkeitsstufen, je nach individuellen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu erreichen, ich somit zu einem Umbau bzw. Anpassung (engl. modification) meines bisherigen Unterrichts komme, rechtfertigt das angepasste Ergebnis meiner Arbeit den für uns inzwischen völlig selbstverständlich gewordenen Technologie-Einsatz.

Vielleicht aber gelingt es mir durch die Nutzung von learningapps, bookry, einer Lernplattform wie Moodle oder durch irgendeine andere interaktive Anwendung, das Arbeitsblatt so zu gestalten, dass die Schülerinnen und Schüler unmittelbar Rückmeldung zu ihren Fehlern bekommen: angepasste Hilfestellungen und motivierende Kommentare, zusätzliche Übungsseiten und die Möglichkeit sich in Foren über die Fragestellung auszutauschen. Ganz abgesehen davon, dass die Arbeit damit vielleicht sogar Spaß macht, können die Lernenden darüber hinaus mit dem zur Verfügung gestellten Material selbständig arbeiten, sie können es kopieren, in Blogs zur Diskussion stellen, eigene Arbeitsblätter für Mitschülerinnen und Mitschüler erstellen oder in sonst einer Weise weiterverarbeiten. Dadurch ergibt sich eine Neudefinition (engl. redefinition) dessen, was man als Arbeitsblatt bezeichnet, es lassen sich didaktische Ziele erreichen, die vorher in der Form nicht erreichbar geworden sind.

Allerdings rechtfertigen alle diese Aspekte, (1) der reine Ersatz durch die digitale Medien, (2) der Zuwachs an Möglichkeiten, der sich durch ihre Nutzung bietet, (3) die echte Umstrukturierung von Unterricht durch ihren Einsatz sowie natürlich (4) die völlige Neudefinition von schulischem Lernen durch digitales Unterrichten, den Einsatz von Computern, Smartphones und Tablets in der Schule.

http://www.unity.net.au/padwheel/padwheelposter.pdf
http://www.unity.net.au/padwheel/padwheelposter.pdf

Etwas ausführlicher und in englischer Sprache auf Kathy Schroks Blog! Eine interaktive Darstellung, welche iPads-Apps im Bereich dieses Modells genutzt werden können, findet sich hier.

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4 Kommentare zu „Warum nicht alles, was man mit digitalen Medien macht, einen digitalen Mehrwert haben muss, aber häufig hat!

  1. Alle diese Aspekte (…) rechtfertigen nicht nur den Einsatz von Computern, Tablets und Smartphones – sie machen ihn notwendig. Dieses einfache Beispiel zeigt doch, das Lernen/Lehren mit diesen Hilfsmitteln besser geht: gemeint ist individualisiert, personalisiert, projektorientiert. All das, was heute von Bildung gefordert wird, lässt sich so realisieren. Am Ende des Bildungsprozesses wird auch erwartet, dass die Schüler mit digitalen Medien umzugehen wissen. Computer, Tablets und Smartphones sind Tafel, Rechenschieber und Wörterbuch des 21. Jahrhunderts. Sie sollten nicht Zentrum des Unterrichts sein, es soll sich nicht um sie drehen. Sie sind lediglich Hilfsmittel im Bildungsprozess, ermöglichen und unterstützen Lernen und Lehren.

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  2. Ich deklariere Dein Arbeitsblattbeispiel fortan als meine „falls-Du-ein-Mehrwertargument-für-den-Einsatz-von-digitalen-Medien-benötigst“ -Standardantwort und plädiere dennoch dafür, in Mehrwertdiskussionen v.a. den Skeptikern nicht alle Antworten vorzugeben 🙂

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