Neue Methode zur kooperativen Erschließung von Videos: reziproke Filmauswertung

Immer wieder höre ich es von Kollegen: Wenn die Schülerinnen und Schüler sich immer nur Videos ansehen statt zu lesen, dann werden sie zu dummen Konsumenten und gar nicht verstehen, worum es inhaltlich wirklich geht. Aber:

„Durch das reine Zuhören (und Lesen) lernen nur rund zehn Prozent der Jungs“, sagt der Erziehungswissenschaftler Peter Struck.

Schon beim Lesen ist die Aufgabe „Lies den Text durch!“ definitiv weder zielführend noch produktiv. Daher verwende ich im Unterricht häufiger das reziproke Lesen, das mit Hilfe von verschiedenen Phasen und Schritten dabei hilft einen Text kooperativ und kommunikativ auseinander zu nehmen. Dazu verwende ich standardmäßig diese Vorlage:

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Andere Aufgaben für anderen Kontext

Im Geschichtsunterricht möchte ich die Fragen allerdings gerne etwas anders stellen und habe mir daher eine andere Vorlage erstellt, mit der sich Texte zu historischen Zusammenhängen definitiv besser erarbeiten lassen:

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Neu: Kooperatives Filme-Schauen mit dem Smartphone

Seit an unserer Schule Schülerinnen und Schüler das Wlan nutzen dürfen, probiere ich aber auch eine neu von mir entwickelte Methode aus, die reziproke Video-Auswertung. 

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Dazu werden die verwendeten Filme – die den Schülern per QR-Code zugänglich gemacht werden können – mit Hilfe eines Learningapps-Tools (oder auch mit H5P) in kleine Häppchen unterteilt (so wie ich es hier für eine Fortbildung einmal gemacht habe).

Ablauf des Video-Schauens

Die Schülerinnen und Schülern schauen sich nun in der ersten Phase das erste Häppchen an und erledigen dabei ihren Arbeitsauftrag. In der zweiten Phase müssen sie dann gemeinsam den entsprechenden Arbeitsauftrag KOOPERATIV erledigen. Dann wird das Blatt einmal im Uhrzeigersinn gedreht, die Rollen in der Gruppe wechseln und jeder schaut sich den nächsten Abschnitt an. Und so geht es weiter, bis alle Abschnitte gemeinsam erschlossen wurden.

Voraussetzungen

Die wichtigste Voraussetzung für das Funktionieren dieser Methode ist übrigens eine gute und stabile Internet-Verbindung, denn alle Schülerinnen und Schüler schauen gleichzeitig, aber doch in individuellem Tempo Videos. Und natürlich braucht jeder sein eigenes digitales Endgerät und Kopfhörer!

Übrigens lässt sich natürlich auch eine arbeitsteilige Gruppenarbeit auf diese Weise organisieren. Die Videos in Abschnitte zu unterteilen ist dann allerdings etwas aufwändiger.

PDFs als Open Educational Ressource zum Download

 

Das „Global OER Logo“ von Jonathas Mello unter CC BY 3.0
Das „Global OER Logo“ von Jonathas Mello unter CC BY 3.0

Damit sich Tobias Raues Wunsch erfüllt, kann man sich hier die fertigen PDFs downloaden und ausprobieren. Am Besten einfach jeweils sieben mal (für 28 Schülerinnen und Schüler) laminieren. Weitere Schülerinnen und Schüler sind bei mir immer Teil eines Zweierteams.

  1. Reziprokes Lesen (Historiker) – PDF
  2. Reziprokes Lesen (Sachtext) – PDF
  3. Reziproke Filmauswertung – PDF

Gerne komme ich auch dem Wunsch von André Hermes nach.

 

 

Hier findet ihr Vorlage für das reziproke Lernen (Lesen/Videoschauen), die sich allerdings nur mit Pages bearbeiten lässt (auf dem iPad oder dem Mac also). Notfalls kann man das aber auch auf einem Windows-Rechner online. Ich würde mich freuen, wenn ihr sämtliche neu erstellten Inhalte wieder hier auf der Seite in den Kommentaren als OER-Material verlinkt.

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Tablets in der Grundschule nutzen?

In diesem Blogeintrag wird der Ablauf einer ganztägigen Kollegiumsfortbildung als Einstieg zur unterrichtlichen Nutzung des iPads dokumentiert und mit zahlreichen Querverweisen auf Apps und Materialien versehen.

Wird im Rahmen einer Fortbildung der Umgang mit Tablets im Unterricht eingeübt, müssen natürlich – je nach Vorbildung der Teilnehmer – einige grundlegende Erklärungen erfolgen. Dies lässt sich relativ einfach mithilfe des Buches „Unterrichten mit iPads“ der Didaktikerin Nina Ulrich bewerkstelligen, das damit auch zur weiterarbeiten empfohlen werden kann.

Ausgehend von den Kernkompetenzen in verschiedenen Lehrplänen der Grundschule …

In den Grundschullehrplänen des Landes finden sich zum Beispiel die folgenden Kompetenzerwartungen:

Deutsch
  • Schülerinnen und Schüler nutzen Medien zum Gestalten eigener Medienbeiträge. (S. 33)
  • Schülerinnen und Schüler gestalten sprechend und darstellend Texte (auch) auswendig […]. (S. 32)
  • Schülerinnen und Schüler versetzen sich in eine Rolle und gestalten sie sprecherisch, gestisch und mimisch. (S. 29)
Sachunterricht:
  • Schülerinnen und Schüler recherchieren mit/in Medien (z.B. Internet, Bibliothek) und nutzen die Informationen für eine Präsentation. (S. 50)
Kunst:
  • Schülerinnen und Schüler nutzen Kameras [für] Dokumentationen in Gestaltungs- und Präsentationszusammen-hängen, Klassenaufführungen und Projekttagen (z.B. fotografieren und videografieren). (S. 107)
Englisch:
  • Schülerinnen und Schüler verfassen kurze Texte durch das Zusammenfügen bzw. Ergänzen von vorgegebenen Satzelementen oder Textbausteinen (z. B. Elfchen, Christmas cards, Geburtstagskarten, Postkarten, „Steckbriefe“ von Personen oder Dingen, mini stories). (S. 79)
Musik:
  • Schülerinnen und Schüler halten Klangergebnisse auf Tonträgern fest und reflektieren sie kritisch. (S. 92)

… kann dann die sinnvolle Nutzung der App Book Creator vorgestellt werden.

Rund um den Book Creator

Dazu können die Teilnehmer der Fortbildung sich live und vor Ort (um Missverständniss zu vermeiden) auf die Suche nach herbstlichen Impressionen machen:

  • bunte Blätter verschiedene Baumarten,
  • Zeitlupenaufnahmen von fallendem Laub,
  • Zeitraffer-Aufnahmen einer kriechenden Schnecke
  • und so weiter.

Mit diesen selbst produzierten Inhalten kann nun nach und nach ein Buch oder eine Comicsequenz im BookCreator gefüllt werden. In diesem Zusammenhang werden sämtliche Funktionalitäten des BookCreators vorgestellt.

Anschließend können weitere Apps in den Blick genommen werden, mit deren Hilfe zum Beispiel ein Herbst-Gedicht oder eine herbstliche Dialogsequenz aufgenommen werden können. Dazu kann man Tellagami (hier als kostenpflichtige EDU-Version mit allen Zusatzoptionen inklusive, z.Zt. 5,49€) oder aber PuppetPals verwenden.

Zusatzfunktionen en passant erklären und ausprobieren

Zwischendurch werden weitere grundlegende Funktionen des iPads unmittelbar genutzt, zum Beispiel AirPlay, um die Ergebnisse gemeinsam zu sichten oder Air Drop, mit dessen Hilfe die Ergebnisse auf dem Lehrerrechner gesammelt und zu einem gemeinsamen Buch zusammengestellt werden können. Auch die Weitergabe von Bildern mit Hilfe der Share-Funktion wird in diesem Zusammenhang kurz als Basiswissen wiederholt.

StopMotion-Filme – Gedichte aktiv umsetzen

In einem zweiten Teil, der häufig nach der Mittagspause im Suppenkoma liegt, wird den Teilnehmern in einem kurzen Überblick der Umgang mit der App StopMotion Studio. Die wichtigsten Funktionen zum Umgang mit diesem Programm finden Sie in meinem Blogbeitrag: Film ab: Stop-Motion-Filme mit dem iPad im Unterricht erstellen

Dieses Mal ging es darum eine Auswahl von Gedichten ganz lehrplankonform kreativ umsetzen zu können. Ob mit Lego-Figuren, Russischbrot, Nudelbuchstaben oder dem Bären-Schule-Set von Haribo, relativ schnell kommen die Teilnehmer so zu respektablen Ergebnissen.

Dabei entstanden Filme zu Eugen Gomringers Gedicht Wind, zu Frank Endrikats „Wühlmaus“ oder zu Ernst Jandls „Im Park“, insgesamt sehr schöne Umsetzungen. Hier können Sie die entstandenen Videos ansehen: „Wind“, „Wühlmaus“ sowie „Im Park“

 

Die fertigen Filme lassen sich anschließend nicht nur in iMovie schneiden und vertonen, sondern sie können selbstverständlich auch in das eigene BookCreator-Buch importiert und somit Teil des eigenen Portfolios werden.

Alternativ kann auch gezeigt werden, wie mit der App Garage Band auf einfachste Weise ein Hörspiel oder ein Podcast produziert werden kann, z.B. mit Hilfe des kostenlosen didaktischen Materials: Ein Märchen spielen, sprechen, lesen – Lerneinheit mit Unterrichtsmaterial und didaktischen Anregungen (Auditorix).

Beispielhafte Apps zum individuellen Arbeiten

Abschließend werden verschiedene Apps aus dem Bereich Deutsch als Zweitsprache (Einstieg Deutsch – kostenlos, MultiDingsda- teuer), Mathematik (SliceFractionsKönig der Mathematik, MathFight), dem Fach Sachkunde (Google Earth, Erde 3-D, Wo liegt das?) als Möglichkeit für individualisierendes Arbeiten im Unterricht kurz vorgestellt.

Weitere Hinweise auf Apps

Als Übersicht über zu verwendende Apps eignet sich das Papier der Medienberatung Steinfurt, sowie die kollektiv erstellte Übersicht über sämtliche Apps, die für den Unterricht geeignet sind (auch für Android und Windows Tablets), die vor einiger Zeit auf diesem Blog gestartet wurde.

Soll die Hindenburgstraße umbenannt werden?

Eine Unterrichtseinheit mit Smartphones in Schülerhand soll natürlich inhaltlich genauso ertragreich sein, wie – sagen wir einmal – klassischer Unterricht. In dieser Stunde wollte eine Journalistin der Westdeutschen Zeitung sehen, ob Handys für besseren Unterricht sorgen.


Die im folgenden dokumentierte Unterrichtsstunde hat zum Ziel eine differenzierende Diskussion anzuregen über die Frage, ob Straßen mit „belasteten“ Namensgebern umbenannt werden sollen. In der vorliegenden Doppelstundenplanung soll diese Frage am Beispiel von Hindenburg als Namensgeber für zahlreiche Straßen und Plätze diskutiert werden. Dass diese Frage immer wieder in der Presse der ganzen (westlichen) Republik auftaucht, lässt sich schnell herausfinden, wenn man bei Google einmal nach den Begriffen „Hindenburgstraße“ & „Umbenennung“  sucht; es finden sich einige tausend Treffer. Von Darmstadt bis Münster, von Hamburg bis Gronau – überall wird oder wurde eine Umbenennung diskutiert. Mit sehr unterschiedlichem Ausgang übrigens!

Die eigene Meinung erkennen

In einem ersten Schritt sollten sich die Schülerinnen und Schüler über ihre Meinung zu einer solchen Straßenumbenennung klar werden. Dazu wurde der Einstieg über einen Artikel in der Lokalzeitung und den dazugehörigen Kommentar sowie als Methode eine Datenerhebung über Kahoot gewählt. Der für die Stunde tragende Arbeitsauftrag war, ein Gutachten für die Stadtväter zu verfassen, inwiefern eine Straßenumbenennung im Falle Hindenburgs angemessen ist oder eben nicht.

Differenziertes Hintergrundwissen erarbeiten

Um zu einem differenzierteren Urteil zu gelangen, sollten die Schülerinnen und Schüler in einem zweiten Schritt, Hintergrundinformationen zu Leben und Wirken Hindenburgs erarbeiten, seine Rolle im Rahmen der Präsidialkabinette darf als bekannt vorausgesetzt werden.

Kooperative Gruppenarbeit mit der Placemat

Dazu wurden die 24 Jugendlichen in 6 Gruppen á 4 Gruppenmitglieder eingeteilt, sodass sie an einer vorbereiteten Placemat arbeitsteilig arbeiten konnten. Der Arbeitsauftrag, der Schritt für Schritt im Rahmen eines Learningsnacks vorbereitet wurde, konnte per QR-Code mit dem Handy aufgerufen werden. Insgesamt waren verschiedene Texte: eine Rezension einer Arte-Dokumentation bei Spiegel Online (Leser A), ein Interview mit Wolfram Pyta in der Welt (Leser B), ein Artikel in der Bonner Rundschau (Leser C )sowie eine Artikel in der BadischenZeitung nebst einiger Leserbriefe zum Thema (Leser D) sowie vier eher illustrativ-binnendifferenzierende Filme von den Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten. Ergebnisse sollten auf dem eigenen Placemat-Ausschnitt dokumentiert werden. (Think-Phase)

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Präsentation im Etherpad

Im nächsten Arbeitsschritt sollten in einer Gruppendiskussion die einzelnen Ergebnisse kombiniert, ausgewertet und gewichtet werden, um dann in der Mitte der Placemat sowie schließlich in einem vorbereiteten EtherPad zusammengefasst werden (Pair-Phase).

Diskussion der Ergebnisse

In einem letzten Schritt wurde im Rahmen einer durch ein zweites Kahoot angestoßenen, offenen Klassendiskussion die Frage nach dem Sinn einer Straßenumbenennung diskutiert und die Schüler zu einem fundierten Urteil herausgefordert (Share-Phase).

Als Hausaufgabe sollten die Schülerinnen und Schüler ein differenziertes Gutachten für den Rat der Stadt schriftlich abfassen. Dabei sollten die Ergebnisse aller Gruppen im EtherPad berücksichtigt werden.

Kritischer Blick auf die Planung

Die an verschiedenen Stellen geforderten 21CenturySkills, die für Schülerinnen und Schüler in Zukunft unverzichbar sein werden, sind in der vorliegenden Stunde natürlich nur in Ansätzen umgesetzt. Sicher übernehmen die SuS in einem gewissen Rahmen gesellschaftliche Verantwortung, wenn Sie ein Gutachten für den Stadtrat erarbeiten und formulieren, sich aus verschiedenen Quellen Informationen suchen und diese auswerten können. Sicher ist die hier vorbereitete Diskussion ein Baustein bei der Entwicklung zu einem mündigen Bürger, kritisches Denkvermögen wird mit der Auseinandersetzung teils sich widersprechender Positionen angemessen eingeübt. Sicher wird im Rahmen dieser kooperativ angelegten Stunde (Think-Pair-Share) die Teamfähigkeit der Schülerinnen und Schüler trainiert. Es gibt die Möglichkeit der – wenn auch nur über die Materialmenge – differenzierten Arbeit zum Thema, die einen stärker individualisierten Zugang ermöglicht. Die Schülerinnen und Schüler schätzten vor allem auch, dass sie Schritt für Schritt durch das Thema geleitet wurden.

Aber:

Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess erreichen die Schülerinnen und Schüler mit dieser Stundenplanung sicherlich nicht, das ist bei der klassischen Stunden- und Inhaltstaktung aus meiner Sicht auch nicht immer möglich. Vor allem auch die Kreativität, die ich zum Beispiel bei der Schülerproduktion von GreenScreen-Erklär-Videos immer wieder großartig finde, ist nur in Ansätzen nötig.

Dafür hätte ich dann aber 10 Stunden gebraucht und nicht eine Doppelstunde…

Problem: Klassische Unterrichtsstrukturen

Ich stelle in zunehmendem Maße fest, dass das digitale Arbeiten, das ich mir wünschen würde, schwierig zur verwirklichen ist, auch mit digitalen Medien:

  • regelmäßig (!) in Projekten,
  • klassenraum- und länderübergreifend,
  • kooperativ und
  • vor allem kreativ
  • vielleicht in Lernbüros (und damit selbstorganisiert)

Oder, wie Philipp Wampfler sagt:

Digitales Lernen ist konstruktivistisches und konnektivistisches Lernen, schafft eine Distanz zwischen Unterricht und Instruktion, übergibt die Verantwortung für ihre Lernprozesse an die Lernenden.

Dem Anspruch werde ich hier nicht gerecht.

Es geht in der Schule auch in Zeiten der Digitalisierung eben leider immer noch nicht um die 4K (aus meiner Sicht Fähigkeiten, die im Rahmen von handlungs- und produktionsorientiertem Unterricht erlangt werden können),  es geht noch nicht einmal um das Bestehen einer Prüfung am Schluss – dahin könnten ja viele Wege führen. Es geht beim Unterrichten um die Einhaltung von Vorgaben, Klausurterminen, konkreten Inhalten und z.T. unverbundenem Inhaltswissen, um Reproduktion und Reorganisation, sicher auch um Sach- und Werturteil (klassische Ziele des Geschichtsunterrichts), aber oft noch zu wenig um sinnstiftendes Lernen für das 21. Jahrhundert. Kurz gesagt: „Nicht nur ist aufgrund einer etablierten Prüfungs- und Schulkultur das Schulsystem selbst stark an problematische Didaktik gebunden“, so pointiert Wampfler!

 

Digitales Lernen im Fach – Grundlagenwerke Deutsch & Geschichte

Der Einsatz digitaler Medien erfolgt sinnvoller Weise nicht etwa in einem Fach „Digitale Medien“, sondern bietet sämtlichen Fächern in der Schule vielfältige Chancen, die man als Lehrender dann nutzen kann, wenn man eine Idee davon hat, was man mit digitalen Medien im Unterricht erreichen kann.

Natürlich lassen sich grundlegende Überlegungen zur Didaktik des Lernens mit Digitalen Medien anstellen, aber auch die einzelnen Fächer müssen sich konkret aufstellen. Die folgenden Werke stellen dazu einen guten Einstieg dar, sind aber sicher nicht die einzigen zum Thema (bitte wichtige Hinweise gerne in den Kommentaren ergänzen).

In den letzten Wochen sind einige praxisorientierte Bücher – für manchen Kollegen sicher ein guter Einstieg – erschienen, die sich mit dem Einsatz von Computer, iPad und Co. im Unterricht der einzelnen Fächer beschäftigen und die daher für jeden Fachlehrer eine unabdingbare Lektüre darstellen. Einige davon möchte ich hier kurz vorstellen:

Deutsch

Als Grundlagenwerk für das Fach Deutsch dürfte sich Philipp Wampflers Neuerscheinung „Digitaler Deutschunterricht“ entpuppen. Auf der Seite des Verlages kann man in das Buch hineinlesen. Wampfler erläutert, welche produktiven und kreativen Ideen sich mit Hilfe digitaler Werkzeuge im Deutschunterricht verwirklichen lassen. In einem ersten Teil werden diese praktischen Anwendungen theoretisch unterfüttert. Hier können sie sich selbst einen Eindruck vom Buch verschaffen.

Für die Grundschule sei auf die beiden Bände „Deutsch digital“ verwiesen, die in einem Theorie- und einem Praxisband wesentliche Ideen vorstellen. Hier finden Sie eine Übersicht über den Inhalt.

Geschichte

Auch für das Fach Geschichte ist frisch aus der digitalen Druckerpresse ein neues Werk erschienen. Es handelt sich um das Praxis-Handbuch Historisches Lernen und Medienbildung. Noch habe ich kein Exemplar in Händen halten dürfen, der Verlagstext aber verspricht:

BernsenKerber.inddDas Praxishandbuch stellt Unterrichtstechnologien, Werkzeuge und Einsatzszenarien zur Arbeit mit digitalen Medien im Geschichtsunterricht vor. Erkenntnisse des computervermittelten Arbeiten und Lernens, der Visual History, der Zeitgeschichte, der Medientheorie und -pädagogik haben den Blick auf digitale Materialien als Quellen historischer Erkenntnis erweitert und verändert. Visuelle Darstellungen und Bilder haben dadurch gegenüber einer traditionell starken Textorientierung an Bedeutung für die Geschichtswissenschaft (iconic turn) und den Unterricht gewonnen.

Der Autor, Daniel Bernsen, ist ein versierter Kollege, der seit Jahren mit Schülerinnen und Schülern, aber auch mit Referendaren in diesem Bereich arbeitet und einen erstklassigen Blog zum Thema betreibt.

Unverzichtbar übrigens auch das Buch „Geschichte lernen im Digitalen Wandel“, das vom Arbeitskreis Geschichtsdidaktik und digitaler Wandel veröffentlicht wurde und dort auch online gelesen werden kann.

Naturwissenschaften

Durch Zufall bin ich auf diese Werke gestoßen, da gibt es sicher aber auch noch weitere, die ich als Geisteswissenschaftler kaum beurteilen kann.

Im Fach Chemie sei verwiesen auf den Basistext „Computer und Multimedia im Chemieunterricht heute – Eine Einordnung aus didaktischer und lerntheoretischer Sicht“, der als PDF kostenlos heruntergeladen werden kann und

Hilfestellung geben [will], den aktuellen Stand der erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Forschung kennen zu lernen, den Sinn des Computereinsatzes im Chemieunterricht einzuschätzen und damit an der Fortentwicklung des Einsatzes dieser interessanten Technologien für das Lernen von Chemie mitwirken zu können. Computer und Multimedia im Chemie-Unterricht

Das Fach Biologie bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte zum mobilen Lernen, die in dem (bereits 2013 erschienenen) Heft „Mobiles Lernen digital“ gut umrissen werden. Eine Idee bekommt man auch durch den Blog „Biologiedidaktik mal anders“.

Ich freue mich über weitere Hinweise über maßgebliche Werke in den Kommentaren

Wie setze ich digitale Medien lernförderlich in meinem Unterricht ein? In Schülerhand!

Im neuen Kerncurriculum für Referendarinnen und Referendare im Land NRW, das ab 2.9.2016 gilt, wird von ihnen die selbstreflexive Frage erwartet:

Wie setze ich (digitale) Medien lernförderlich in meinem Unterricht ein?

Das „Digitale“ steht wirklich in Klammern und Medien an sich waren wohl immer schon unverzichtbar. Dort steht auch: Lehrerinnen und Lehrer – ob nur für sich oder für die Schülerinnen und Schüler bleibt offen –  …

integrieren moderne Informations- und Kommunikationstechnologien didaktisch sinnvoll und reflektieren den eigenen Medieneinsatz

Immerhin wird auch die Frage aufgeworfen:

Was muss ich über die Mediengewohnheiten meiner Schülerinnen und Schüler wissen?

Und an anderer Stelle:

Wie kann ich mit Kolleginnen und Kollegen unter Nutzung von digitalen Medien kooperieren, sowie Unterricht und Beratung kontinuierlich und systematisch weiterentwickeln?

Genau genommen stellt sich für mich hier als zentrale Frage, was dieses Curriculum will:

Muss ich als Unterrichtender digitale Medien nutzen oder sollen meine Schülerinnen und Schüler digitale Medien nutzen?

Meine These: Mit diesem Kerncurriculum wird von Referendaren keine Unterrichtsplanung erwartet, die den Einsatz digitaler Medien durch Schülerinnen und Schüler voraussetzt. Die handlungs- und produktionsorientierten Chancen, die Digitales bietet, müssen nicht ausgeschöpft werden. Auch die im Kerncurriculum sehr wohl geforderte Individualisierung von Unterricht muss nicht mit Hilfe digitaler Medien ausgeschöpft werden.

Dieses Kerncurriculum greift zu kurz, insbesondere dann, wenn man sich ansieht, was die Österreicher von ihren Lehrern verlangen.

Nett: Digitale Geräte in der Hand des Lehrers

In der Hand des Lehrers ist das digitale Medium nicht unbedingt mehr als Tafel, DVD-Player und Fernseher. Als Lehrer kann ich ganz wunderbar mit Hilfe der digitalen Tafel oder mit iPad und Beamer meine persönliche Präsentationskompetenz ausbauen. Ich kann Filme zeigen, die ich bei EDMOND heruntergeladen habe oder bei Youtube finde, ich kann lehrerzentriert Powerpoints zeigen, Schülerarbeiten fotografieren und für alle sichtbar korrigieren (naja), das Tablet als Dokumentenkamera nutzen, Arbeitsblätter ausfüllen. Ich kann mit OneNote oder mit Goodnotes Tafelbilder (vor oder während der Stunde) entwerfen, ich kann Fotos zeigen und Audios vorspielen, ich kann sogar auslosen lassen, welcher Schüler vorträgt. Alles für mich unverzichtbar und praktisch, allerdings hat bei diesem Szenario noch kein Schüler ein digitales Medium benutzt. 

Schön: Interaktive Nutzung digitaler Medien

Nutzt man im Unterricht digitale Medien, um mit den Schülerinnen und Schülern in interaktiven Austausch zu kommen, ist man einen Schritt weiter. Ob Kahoot oder Nearpod, eine Lernplattform wie Moodle oder die Kombination aus analogen und digitalen Medien mit Hilfe von QR-Codes: Lehrer planen interaktive Materialien und die Schülerinnen und Schüler können sie nutzen. Und: Auch Schülerinnen und Schüler können den Beamer nutzen, um eigene Ergebnisse zu präsentieren!

Schöner: Rezeptive Nutzung digitaler Medien – Recherche im Netz

Die erste Idee, die viele bei der Nutzung digitaler Endgeräte im Unterricht haben, ist die Recherche. Ein wichtiger Faktor, sicher. Es lassen sich Vokabeln nachschlagen (z.B. mit dem kostenlos Pons-Wörterbuch) und sogar vorlesen. Lexika für alle Fächer und Altersgruppen sind zur Genüge zu finden. Großartige Seiten wie das Lebendige Museum (DHM) können für den Oberstufenunterricht beinahe das Geschichtsbuch ersetzen. Klug durchdachte Angebote wie SEGU-Geschichte ermöglichen völlig neue Formen der Nutzung von Internetangeboten für den Unterricht. Das Smartphone wird zum Kulturzugangsgerät.

Am schönsten: Analytische Nutzung – Inhalte filtern, beurteilen, sinnvoll nutzen können

Im Geschichtsunterricht werden schon immer Quellen analysiert. Wichtige Schritte um Fälschungen zu erkennen, sind Bestandteil der Quellenanalyse (vgl. Daniel Bernsens Blogeintrag). In Zeiten „alternativer Fakten“ müssen Schülerinnen und Schülern dazu weiterhin und noch viel mehr ermutigt und befähigt werden.

Ob man ihnen den Umgang mit Wikibu zeigt, um Wikipedia-Artikel beurteilen zu können oder ob sie lernen mit Hilfe von Mimikama und anderer Anbieter Fake-News zu erkennen und Internetquellen angemessen beurteilen zu können – letztlich war das immer schon Ziel von (Geschichts-)Unterricht. Im übrigen halte ich es für eine gute Idee mit den Schülern selbst einmal News zu faken, z.B. mit dem Online-Wahn-Generator!

Am allerschönsten: Produktive Nutzung digitaler Medien – produktionsorientiert arbeiten

Ihr volles Potential entfalten digitale Medien, z.B. Tablets und Smartphones, wenn die Schülerinnen und Schüler selbst damit arbeiten. 

Sie erstellen mit Hilfe einer Tabellenkalkulation im Geschichtsunterricht aus Zahlenreihen Grafiken und werten diese anschließend aus. Es können interaktive Erklärfilme z.B. mit Touchcast Studio erstellt werden, die für die Abiturvorbereitung später genutzt werden können. Mit Hilfe einer Greenscreen (siehe Bild und Beitragsbild) kann man sich einfach in historische Zusammenhänge versetzen. Die Dokumentation der eigenen Arbeit ist mit Hilfe von Portfolios (z.B. Mahara), aber auch in Blogs und Wikis möglich. Auch digitale Bücher, mit Videose und Audios angereicherte Bücher lassen sich z.B. mit dem BookCreator leicht erstellen. Hier gibt es tausende Anwendungen und Ideen!

Erst auf diese Weise entfaltet die Nutzung digitaler Medien im Unterricht ihr volles Potential: in der Hand von Schülerinnen und Schülern!
 

 

 

Interaktive Tafelsoftware: Notebook, Classflow und das Tablet…

Im Unterricht wird immer wieder die Tafel benutzt, ob von Schülerinnen und Schülern oder Lehrern. Ein Vorteil der Digitalisierung ist sicherlich, dass man SuS die Tafelbilder problemlos zur Verfügung stellen kann, indem man diese mit dem Smartphone abfotografiert und z.B. über Moodle zugänglich macht oder über Twitter…

Will man das Tafelbild direkt mit Hilfe des Computers und einer digitalen Tafel erstellen, gibt es unterschiedliche White-Board-Software, die zu den verschiedenen Hardware-Systemen gehört. Prinzipiell arbeiten diese mehr oder weniger gut mit den Softwareangeboten zusammen. Momentan sind die bekanntesten Systeme von interaktiven Tafeln (über Kommentare, Ergänzungen und Tipps diesbezüglich unten auf dieser Seite freue ich mich):

Meine bevorzugte Variante ist allerdings die Nutzung des iPads zur Erstellung von Tafelbildern. Hier ein einfaches Tafelbild, das mit Hilfe von Explain Everything erstellt wurde:

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Welche Software gibt es?

Zunächst muss man wissen, dass die verschiedenen Firmen ihre Software in der Regel nur für ihre eigenen interaktiven Tafeln lizensieren. Allerdings ist trotzdem häufig auch eine andere Nutzung möglich. Wer rechtlich sicher agieren möchte, dem sei die absolut kostenlose, nicht-kommerzielle Software OpenSankoré empfohlen.

Alle im folgenden genannten Tafel-Programme verfügen über die folgenden Grundfunktionen: „Interaktive Tafelsoftware: Notebook, Classflow und das Tablet…“ weiterlesen

Padlet – das digitale Einsteigertool für Lehrer

Eines der tollsten Lehrer- und Schülertools beschreibt heute Damian Duchamp in seinem (auch ansonsten empfehlenswerten) Blog:

Padlet ist eines der einfachsten und genialsten Tools, welche das Internet aktuell für den Unterricht zu bieten hat. Es ist eigentlich nichts anderes als eine Pinnwand, an welcher Inhalte ähnlich wie Haftnotizen gesammelt werden können. Was mir daran besonders gut gefällt, sind vier Dinge:

  • Vielseitigkeit
  • Plattformunabhängigkeit
  • einfachste Nutzung für Schüler wie Lehrer
  • deutsche Sprache

Padlet, ein Tool für Einsteiger

Wo Tablets, Smartphones, Laptops oder anderer Geräte mit Internetzugang in den Unterricht integriert sind, ist Padlet in der Regel bekannt und ein Werkzeug unter vielen. Aber aller Anfang ist schwer. Die Hürden erscheinen interessierten Lehrern oft höher als sie tatsächlich sind. Gerade für erste Gehversuche im Unterricht mit digitalen Tools braucht es Werkzeuge, die sehr einfach zu nutzen sind und keine Vorkenntnisse benötigen. Padlet ist ein solches Tool. Deshalb steht es bei meinen Fortbildungen immer ganz vorne.

Wie Padlet funktioniert und was genau man damit machen beschreibt Damian Duchamp hier ausführlicher!