Digitaler Erfahrungsersatz

Beim Lesen von gerade erschienen Blogeinträgen von Bob Blume und  Philipp Wampfler zur Frage danach, ob wir Digitalisierung in der Schule brauchen, ist mir aufgefallen, dass mir Digitalisierung genau genommen völlig egal ist, wenn auch unverzichtbar. Es geht um etwas ganz anderes.

Liest man im Standardwerk für die Lehrerausbildung „Leitfaden Schulpraxis“ nach, was beim Lernen denn eigentlich passiert, dann

„nimmt – allgemein gesprochen – eine Schülerin/ein Schüler Umwelterfahrungen auf, die er/sie verarbeitet und aktiv in die Struktur des bereits bestehenden Wissen eingliedert, mi dem Ziel, auf dies neuen Erkenntnisse zu einem späteren Zeitpunkt zurückgreifen zu können.“ (Bovet/Huwendiek, S. 170)

Es geht also beim Lernen um die wie auch immer geartete Speicherung von Umwelterfahrungen.

Das geht vor allem und am unmittelbarsten, wenn man gerade in der zu erfahrenden Umwelt unterwegs ist, sei es das Pferd im Stall, über das ich dort lernen kann, sei es die Wüste, in der ich unterwegs bin, sei es das Freilichtmuseum. Ich lerne!

In der Schule ist das mit der Unmittelbarkeit aber so eine Sache. Da gibt es vielleicht lebende Fische im Aquarium, ausgestopfte Modelle von Steinmardern (gibt’s die noch?), große Wandkarten mit detailgetreuen Abbildungen des Igels. Vielleicht auch Filme über das Pferd oder die Wüste. Außerdem informieren natürlich Schulbücher und Arbeitsblätter die interessierten Schülerinnen und Schüler über dies oder jenes, was es zu lernen gilt.

 „Wo [eine direkte Umwelterfahrung] nicht möglich ist, müssen Mittler (lat. Media) […] eingesetzt werden. Man kann also in einer allgemeinen Definition sagen, dass der Begriff Unterrichtsmedien all diejenigen Hilfsmittel bezeichnet, die als Erfahrungsersatz oder als Stellvertreter für die Wirklichkeit im Klassenraum zum Einsatz kommen.“ (Bovet/Huwendiek, S. 170).

Daraus lese ich, dass es eigentlich beim Lernen um Umwelterfahrung geht, die wir als Unterrichtende aber häufig über Medien vermitteln, um den Schülern einen „Erfahrungsersatz“ zu ermöglichen, und sei es nur, dass wir statt ins Theater zu gehen, den Faust von den Schülerinnen und Schülern im Stillen lesen lassen.

Besser wäre also, wenn alle Schülerinnen und Schüler die Umwelterfahrung selbst machen. So wird es im Jahr 2064 in Deutschland sein, wenn man Martin Walker und seinen gut fundierten Schilderungen im Roman „Germany 2064“ glauben will:

„Aus Bildungsreformen waren Schulen hervorgegangen, von denen Klaus als Kind nur hätte träumen können. Jeder Schüler lernte heute ein Musikinstrument spielen und Noten lesen. An jeder Schule gab es Musiklehrer, einen Chor und Theaterpädagogen, die mit jeder Klasse einmal im Jahr ein Stück auf die Bühne brachten. Jede Schule hatte ihre eigene Küche, in der Jungen und Mädchen kochen lernten und über gesunde Ernährung aufgeklärt wurden. […] Alle Eltern freuten sich […] auf das inzwischen traditionelle Fest zum Schuljahresende, bei dem die Schüler ihre Eltern und Lehrer mit einem Drei-Gänge-Menü bewirteten. […] Es gab Werkstätten an Schulen, in denen Mädchen und Jungen lernten, Holz und Metall zu bearbeiten, Fahrräder zu reparieren und Wände aus Ziegelstein zu errichten. Im Physiklabor löteten und überprüften die Schüler elektrische Schaltkreise; sie probierten sich an Computerprogrammen aus und bauten Radioempfänger zusammen. Zur Standardausstattung zählte auch ein Schulgarten samt Gewächshaus, in dem die Schüler das Gemüse und die Kräuter anbauten, die später in der Küche verarbeitet wurden. Aus den Früchten der Streuobstwiese pressten sie köstliche Säfte. Im Hühnergene und im Schweinestall lernten die Kinder den Umgang mit Tieren, an die sie Tag für Tag jeweils geeignete Essenreste aus der Küche verfütterten. Die Eltern wurden ermuntert, sich nach Belieben am Schulleben zu beteiligen. Klaus lud zum Beispiel jedes Jahr eine Abschlussklasse zu sich auf den Weinberg ein. Die Schüler halfen bei der Weinlese und er zeigen ihnen, wi die Trauben zu Maische verarbeitet wurden und die Rückstände vom Most getrennt wurden. […] Jedes Jahr im April veranstalten die Schulen einwöchige Klassenfahrten. […] In ganz Deutschland traf man Schüler an, die täglich zehn bis fünfzehn Kolieret über Land wanderten. Sie lernen, Karten zu lesen, ihre Zelte aufzubauen, Latrinen auszuheben, sich selbst mit Trink- und Waschwasser zu versorgen und ihr Essen zuzubereiten.“ (S. 307-309).

In diesen Schulen geht es vor allem um „Umwelterfahrung“, offenbar fast ohne „Erfahrungsersatz“; Medien im oben genannten Wortsinn werden hier so gut wie überflüssig, stattdessen geht es um die Erfahrung von Wirklichkeit, auch von digitaler übrigens.

Aber soweit sind wir 2016 (noch) nicht, auch wenn außerschulische Lernorte eine immer größere Rolle spielen, auch wenn Schulen sich verändern. Solange das so ist, sollten wir so oft wie möglich unsere digitalen „Kulturzugangsgeräte“ nutzen, um die Welt-Erfahrung der Kinder und Jugendlichen so gut wie möglich zu machen. Wir sollten alles an digitalen Inhalten, das es uns ermöglicht, einer echten Umwelterfahrung so nah wie möglich zu kommen, für unsere Schüler bereit halten: Rezeption von Filmen, interaktiven Karten, Erklärvideos, Wikipedia- und allen anderen Online-Texten und -Medien, vor allem aber auch digitale Werkzeuge zur Produktion und Veröffentlichung von Inhalten in Blogs oder ePortfolios und natürlich digitale Mittel, um miteinander zu kooperieren und zu kollaborieren. Für die Schüler sind diese Medien Teil ihrer Wirklichkeit und sie eignen sich hervorragend um Wirklichkeit ganz anders und unmittelbarer zu ver-mitteln.

Wie Lisa Rosa sagt:

„Wer solchen Zugang zur Teilhabe am Dauergespräch der Kultur mit sich selbst nicht nutzt, obwohl er ihn hat, wählt die Unmündigkeit für die Kultur des 21. Jahrhunderts.“

Um Bob Blumes Fragen zu beantworten:

„Meine erste Frage lautet: Brauchen wir die Digitalisierung wirklich? Meine zweite Frage lautet: In welchem Umfang brauchen wir sie überhaupt? Meine dritte Frage lautet: Beschäftigen wir uns mit den falschen Themen?“

Der Einsatz digitaler Medien ermöglicht, erzwingt, erwartet Weltwahrnehmung, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass Lehrkräfte„explizit […] machen, welche Lerneffekte sie beobachten und mit dem Einsatz bestimmter Methoden verstärken können.“ Wie die Referendarin Lotta klassisch formuliert: „Und soll Schule nicht an die Lebenswelt der Schüler anknüpfen?“ Die Frage schließlich, ob wir uns mit den falschen Themen beschäftigen, sollte vielleicht an die Lehrplanmacher gestellt werden…

Wer braucht noch interaktive Tafeln?

Da die neue Original-Smartboard-Software Notebook 14 leider nicht mehr kostenlos verfügbar ist, muss man sich – einmal ganz abgesehen von pädagogischen Bedenken bei der Nutzung von interaktiven Tafeln – sinnvolle Alternativen überlegen.

Alternative 1: Konsequent OpenSource-Software verwenden – Open Sankoré

Will man mit einer einfachen, kostenlosen Software die Notebook-Software von Smart ersetzen, bietet sich die Software Open Sankoré an.

Das Bedienungskonzept setzt auf intuitive und effiziente Bedienbarkeit. Insbesondere soll es sich auch an Lehrende, Schüler und Studierende richten, die keine besonderen technischen Vorkenntnisse haben.

Im Programm können jegliche Dokumententypen eingefügt werden (Text, Bilder, Flash Animationen, Videos). Alle Inhalte können auch mit Kommentaren versehen werden (zB ein PDF-Dokument).

Ein weiterer wichtiger Teil des Programms ist die Möglichkeit, Lerninhalte mit anderen zu teilen und fremde Inhalte zu übernehmen oder zu verbessern. Das kann unter anderem über die Internetseite Planète Sankoré erfolgen, auf der bereits vorhandene (derzeit überwiegend französischsprachige) Inhalte ausgetauscht werden.

Wikipedia

Die Macher verfolgen keine kommerziellen Interessen, die Software bleibt also langfristig kostenlos verfügbar und wird auch regelmäßig weiter entwickelt. Zudem ist sie sogar für Linux-System verfügbar. Nur die Version für Apples El Capitan lässt noch auf sich warten.

Ein großer Vorteil ist aus meiner Sicht auch, dass alle erstellten Inhalte auch in jedem Web-Browser problemlos angezeigt werden können, also nicht im System der Software gefangen sind.

Im übrigen ist es natürlich auch egal mit welchem White-Board-System man Open Sankorè verwendet, sei es mit dem Smartboard, dem Promethan Board, den interaktiven Beamern von Epson oder mit dem interaktiven Whiteboard mit Wii-Remote.


Alternative 2: Das iPad als interaktive Tafel verwenden – Explain Everything & Doceri

Allerdings muss man sagen, dass die Anschaffung interaktiver Tafeln zum Preis von 2000-3000€ ohnehin inzwischen überflüssig scheint, wenn man sieht, dass man mit dem iPad ganz ähnliche Zwecke erfüllen kann. Dazu benötigt man jeweilige App,

Dazu gibt es eine Vielzahl von Apps für das iPad, von denen ich zwei hier kurz vorstellen möchte.

Sehr einfach und vor allem intuitiv zu bedienen ist die App Explain Everything (3,99€), mit der sich sämtliche Funktionen der interaktiven Tafelsoftware vom iPad aus bedienen lassen. Dabei kann man, AppleTV vorausgesetzt, irgendwo im Klassenraum sitzen und sich gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern die präsentierten Ergebnisse ansehen.

Zum zweiten ist die App Doceri sicherlich hilfreich, die für das iPad kostenlos ist, die mir allerdings in der Bedienung etwas weniger intuitiv erscheint als Explain Everything. Warum die App doch zu empfehlen ist, können Sie hier nachlesen.

Für diese Konstruktion entstehen Kosten von 400€ für das iPad, 400€ für den Beamer, 60€ für das AppleTV sowie 3,99€ für die App. Insgesamt also deutlich unter 1000€.

Alternative 3: Das iPad als als kooperative, interaktive Tafel – Baiboard

9266392370Allerdings kann man sich fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, diese Technologie für Lehrer und Schüler gleichermaßen zu nutzen, eine Idee, die unter dem Stichwort „Demokratisierung des Beamers“ diskutiert wird. Mit 6-7 iPads, die auf Gruppen in der Klasse verteilt werden (oder natürlich mit eigenen Geräten), einem iPad für den Lehrer lassen sich alle Schülerergebnisse gleichermaßen leicht präsentieren.

Sei es nun mit Hilfe des AppleTVs (und einer der genannten Apps) oder mit Hilfe der interaktiven und kooperativen App Baiboard. Baiboard ermöglicht es von verschiedenen Geräten aus auf eine gemeinsame (oder gruppenspezifische) Tafel-Fläche zuzugreifen und dort gemeinsam seine Ergebnisse zu sammeln und zu präsentieren. Damit ergibt sich eine neue, pädagogisch sinnvolle Nutzung digitaler Tafeln.

Die Kosten für diese Lösung, bei der aber wohl gemerkt alle Schülerinnen und Schüler aktiv werden können, liegen bei 3000-4000€ und damit immer noch unter den Kosten für eine gut ausgestattete interaktive Tafel.

Ein Blick in die nahe Zukunft?

Natürlich ist es schon heute möglich auch das iPadPro (oder vergleichbare Geräte), das ich für Lehrerinnen und Lehrer für besonders geeignet halte, im Unterricht zu verwenden, aber da wird in den kommenden Jahren noch viel passieren müssen. Wenn man es nutzt hat es aber viele Vorteile:

5559643094Zum einen erleichtert alleine die Größe des iPad Pro enorm handschriftliches Arbeiten, da die Größe des Bildschirms fast einer A4 Seite entspricht und man um sauber zu schreiben nicht mehr in das Dokument hinein zoomen muss.

Der zweite große Vorteil ist der Handballenschutz, der im neuen iPad Pro fest integriert ist. Es ist nicht mehr erforderlich, innerhalb der Notizenapp eine Handballenablage zu aktivieren, das war ein abgedeckter Bereich, der keine Stifteingaben annimmt, um zu verhindern, dass man versehentlich mit dem Handballen Punkte oder Striche erzeugt.

So fasst der Blog Schule-Apps die Vorteile zusammen.

Nachtrag nach dem Besuch der Didacta am 17.02.2016:

Nach dem Besuch der Didacta muss ich meine Meinung vielleicht ein wenig revidieren. Die neuen interaktiven Tafeln, zum Beispiel Promethans interaktive Flachbildschirme, kommen ganz ohne Beamer aus, haben eine großartige Auflösung und funktionieren letztenendes ähnlich wie riesige Tablets und sind so für Präsentationszwecke im Klassenraum vielleicht noch besser geeignet als nur Beamer. Allerdings reicht der Preis durchaus an die Kosten für eine klassische interaktive Tafel heran. Großer Vorteil allerdings: es lassen sich alle Inhalte von Android-Geräten, seien es Smartphones oder Tablets, aber auch von iOS Geräten, also zum Beispiel vom iPad, ohne weitere Zusatzgeräte spiegeln. Zudem gibt es rechts und links optional einfache Whiteboards als Flügel, die man benutzen kann, wenn man auf die elektronische Unterstützung verzichten möchte.

(Nicht nur) Schulbücher mit dem iPad nutzen

Das iPad stellt jedem Nutzer eine kostenlose Lese-App, iBooks zur Verfügung. Mit dieser App lassen sich Bücher kaufen, aber auch Bücher, die kostenlos im Netz zur Verfügung stehen, problemlos lesen. Für den Deutsch- und Sprachunterricht ist es zudem praktisch, dass man die Schülerinnen und Schüler ohne großen Aufwand in zahlreiche Bücher „hineinlesen“ lassen kann, weil im Store – auch ohne Anmeldung – kostenlose, meist erste Kapitel zur Verfügung stehen.

Inzwischen gibt es im Apple-Store sogar einige Schulbücher, teils von Kollegen erstellt, teils von Verlagen, so z.B. das gelungene interaktive Geografie-Schulbuch des Westermann-Verlags.

Allerdings lassen sich auch alle PDFs und kostenlos verfügbare ePubs mit der App iBooks lesen. ePubs haben dabei den Vorteil, dass sich in diesen auch Markierungen und Notizen vornehmen lassen. PDFs lassen sich aber mit dem Programm Calibre in ePubs umwandeln.

Tipp: Kostenlose Gutenberg-Bücher in ePubs umwandeln lassen

Wer die Seite des Projekt Gutenbergs kennt, auf der tausende copyright-freie Werke kostenlos verfügbar sind, freut sich vielleicht über die geniale Internetseite epub2go.eu auf der sich kinderleicht aus jedem Gutenberg-Buch ein auf dem iPad lesbares ePub erstellen lässt.

Selbst Bücher erstellen

Natürlich lassen sich auch Bücher mit entsprechenden Programmen auf dem iPad erstellen, am einfachsten sicher mit dem allseits beliebten BookCreator, am ausgefeiltesten mit dem Creative Book Builder. Will man professionelle Bücher für iBooks selbst erstellen, kann man das iMac-Programm iBook author (für Windows nicht verfügbar) nutzen, mit dem sich verschiedenste Projekte verwirklichen lassen.

Von allen Verlagen gemeinsam: Die digitale Schulbuch-App

„Deutsche Bildungsmedienhersteller bieten seit dem Schuljahr 2012/13 digitale Schulbuchversionen, parallel zu einer schon zuvor bestehenden digitalen Produktpalette, an. Die Bücher aller beteiligten Verlage können über die Plattform „Digitale Schulbücher“abgerufen werden. Sie sind in einem einheitlichen Format offline und online verfügbar. Als App stehen die digitalen Schulbücher sowohl für dasiPad als auch für AndroidTablets zur Verfügung.“ (wikipedia.de)

Allerdings ist die App tatsächlich nicht sehr komfortabel. Verständlich zwar, dass die Rechte an den gekauften bzw. geliehenen Schulbüchern nach 400 Tagen ablaufen – schließlich gibt dann ein Kind das Buch in der Schule auch spätestens zurück -, aber dass man auch als Lehrer nach 400 Tagen keinen Zugriff mehr auf die Bücher hat, stört doch sehr. Außerdem muss man sich jedes Mal anmelden, was auf Dauer Nerven und Zeit kostet.

Die Bücher, die man gekauft hat und für die es eine Onlineversion gibt, haben i.d.R. einen Schlüssel eingedruckt. Unpraktischerweise muss man diesen Schlüssel allerdings erst auf der Seite des Verlags eingeben oder man bekommt den Schlüssel per Mail zugesandt. Diese Codes lassen sich in der App allerdings nicht eintragen, dazu muss man die Webpage aufsuchen.

5958581666Sind Bücher als Klassen- oder Jahrgangssätze in der Schule eingeführt, lässt sich über den Online-Store des jeweiligen Verlags auch mit etwas Aufwand ein Schul- bzw. Klassensatz an Codes erwerben.

Der Vorteil der App, deren Zukunft mir ungewiss erscheint, ist m.E. vor allem für die Nutzer gegeben, denn hier ließen sich Bücher aller Verlage auf einer Plattform nutzen. Das wäre praktisch!

Eigenentwicklungen der Verlage: Scook und BiBox

Inzwischen haben jedoch einige Verlage eigene Systeme herausgebracht die, wie Cornelsens Scook, zumindest beim Erwerb der Bücher erheblich leichter zu bedienen sind. Besitzt man das Buch, darf man es unbürokratisch auch auf sein iPad laden. Hier gibt es auch eine passende App.

Die Westermann-Gruppe setzt wiederum auf ein eigenes System, die sogenannte Bibox. Hier ist die App momentan allerdings noch nicht verfügbar, obwohl diese im Shop des Verlags schon angepriesen wird. Im Browser kann man auf dem Tablet nicht auf die Inhalte zugreifen (flash).

Beide Systeme funktionieren tadellos und sind insgesamt übersichtlicher, sind aber in der Funktionalität z.T. noch eingeschränkt. Nachteil der verlagseigenen Apps ist, dass sich die Nutzer, sowohl Lehrer als auch Schüler in verschiedenen Apps und Anwendungen zurechtfinden müssen.

Überwachtes Lesen: die Kindle-App

Eine weitere Leseapp für das iPad ist die KindleApp, mit der sich sämtliche Bücher für Amazons Lesegeräte auch auf dem iPad lesen lassen. So lassen sich bereits als ePub vorbereitete kostenlose Bücher von der Amazon-Seite nach dem kostenlosen „Kauf“ einfach in die Kindle-App übertragen. Recht komfortabel, aber Vorsicht: Amazon analysiert das Leseverhalten der Nutzer. Aus datenschutzrechtlichen Gründen halte ich die App daher für die Schule für nicht geeignet.

Bücher aus der Stadtbücherei: Onleihe und der Bluefire-Reader

4017188681Kostenlose Bücher kann man aber auch auf klassischem Wege auf sein iPad bekommen, indem man seine Stadt-Bücherei aufsucht. Die Büchereien im Rhein-Kreis Neuss (Neuss, Dormagen,  Grevenbroich) bieten diese sogenannte Onleihe durchweg an. Ist man einmal angemeldet, lassen sich z.B. Jugendbücher oder Sachbücher über die App Onleihe auf das eigene iPad laden.

Etwas umständlich ist es, dass man zum Lesen einen weiteren Reader, nämlich am einfachsten die App BluefireReader, benötigt. Um nachzuweisen, dass man über das Recht verfügt, das Buch lesen zu dürfen, muss sich zudem eine AdobeID zulegen, um die Bücher der Bibliotheken lesen zu können. Diese ID muss einmalig im Bluefire-Reader eingetragen werden (sogenanntes DRM).

Nach Ende der Leihfrist sind die Bücher auf dem iPad nicht mehr zu lesen. Weitere Erklärungen zur Onleihe sind hier zu finden. Kosten für eine verspätete Rückgabe können so nicht entstehen.

 

Fünf Internetseiten, die ich als Geschichtslehrer unbedingt kennen sollte

Als Geschichtslehrer bin ich immer wieder auf der Suche nach interessanten Internetseiten, mit denen sich besondere Ideen verwirklichen lassen. Fünf davon möchte ich hier kurz vorstellen:

TIPP 1: Selbstgesteuert Lernen im Geschichtsunterricht

seguhint10Auf der Lernplattform segu finden Schülerinnen und Schüler zahlreiche Lernmodule für den Geschichtsunterricht. Die Lernaufgaben sollen selbstständig am besten in kleinen Teams von zwei oder drei Schülerinnen und Schülern bearbeitet werden.

TIPP 2: Geschichtskarten – jeder Ort, jede Zeit, selbst gewählt

Besonders zur Darstellung von Veränderungsprozessen eignet sich die Plattform Geacron. Die Kombination aus Zeitleiste und Weltkarte (mit Zoomfunktion) ermöglicht Unterrichtenden im Fach Geschichte Karten zu beliebigen Zeitpunkten und Entwicklungen darzustellen. Dabei lassen sich die Karten zudem online auch noch in beliebige Kontexte integrieren (so wie hier unten) und verändern.

http://geacron.com/map/atlas/embed.html?lang=de&w=300&h=300&z=5&x=12.041018793776&y=49.691796724684&nd=0&d=1990A1992&tm=p&ly=yyyy

Tipp 3: Interaktive Zeitleisten einfach online selbst erstellen

Immer wieder ist nützlich im Geschichtsunterricht gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern oder kollaborativ Zeitleisten zu erstellen. Das lässt sich mit der Internetseite „The history project“ sehr gut machen. Dabei ist die Seite eigentlich darauf angelegt, eine persönliche History-Timeline zu erstellen, aber es lassen sich auch zu allen anderen Themen Zeitleisten mit beliebig vielen Ereignissen erstellen. Diese Ereignisse kann man mit Bildern versehen, kommentieren, Videos einfügen und auf einer Karte interaktiv verorten. Allerdings ist eine personalisierte Anmeldung erforderlich.

Tipp 4: Flipped Classroom mit der Khan Academy

Leider nur in englischer Sprache, aber dennoch z.T. großartig sind die Videos zur Geschichte der Khan Academy, die hier (nach Anmeldung) verfügbar sind. Zu allen historischen Themen gibt es hier gut strukturiert passende Videos.

Tipp 5: Daniel Bernsens Blog zu Medien im Geschichtsunterricht

Theoretisch fundierte Ideen für den Einsatz von digitalen Medien im Geschichtsunterricht bietet der Koblenzer Fachdidaktischer Daniel Bernsen in seinem Blog. Sehr empfehlenswert.

 

 

Nicht nur englisch kommuniziert …

„An diesem Tag können Sie Ihre Klasse mit auf ein Abenteuer nehmen. Mit über 100000 Schülerinnen und Schülern weltweit, in mehr als 3000 Schulen und über 62 Nationen.““

Dieser Ankündigung des amerikanischen Lehrers Jason Elsom konnte man eigentlich kaum widerstehen und so wurde schon vor über einem halben Jahr meine Bewerbung um die Teilnahme am „“Abenteuer““ auf den Weg gebracht. Ziel war es, möglichst viele Klassen weltweit in einem Online-Video-Chat miteinander in Kontakt zu bringen. In diesem Jahr wurden es tatsächlich über 100000 Schülerinnen und Schüler – und meine Klasse gehörte dazu. Kurz vor dem Termin am 19. November 2015 erfuhr meine Lerngruppe, mit welcher Klasse sie in Kontakt treten würden: Schülerinnen und Schüler der Lazuardi School im indonesischen Bandung, mehr als 11000 km entfernt von uns. 

Nach intensiven Chat-Vorbereitungen und einem ersten Technik-Check durch die beiden Lehrkräfte, Mahrukh Bashir und mich, konnte am 19.11.2015 um 8 Uhr europäischer Zeit das Abenteuer beginnen. War die Sonne in Deutschland zu diesem Zeitpunkt kaum aufgegangen, so hatten die Schülerinnen und Schüler in Indonesien schon zu Mittag gegessen, den novemberkalten 12 C in Deutschland standen beneidenswerte 32 °C in Bandung gegenüber.

Wer möchte, kann sich mit Hilfe des Films auf der Schulhomepage einen ersten Einblick in das Online-Gespräch verschaffen: Schülerinnen, die völlig selbstverständlich englisch reden, eine Klasse, die sich wirklich traut für eine andere Klasse die Nationalhymne zu singen und Fragen, die den Alltag der jeweils anderen Klasse beleuchten, waren nur der Anfang dieser halbstündigen Kennenlern-Session. Geplant ist im Rahmen eines Projekts zum Thema Globalisierung im Gesellschaftslehre-Unterricht über den Rückgang des Regenwaldes und die Pflanzung von Palmölplantagen, aber aber auch über die Rolle der Religion in dem Land zu sprechen, in dem weltweit die meisten Muslime leben.

Wer Lust bekommen hat beim nächsten Mal dabei zu sein, kann sich auf der Seite anadventure.org ganz einfach registrieren, bei twitter gibt es Informationen und gelungen Kontakte unter dem Hashtag #anadventure und mit etwas Glück heißt es dann im nächsten Jahr auch dort „Hi, how are you?“

Das iPad in Lehrerhand

Es gibt natürlich noch viele weitere Anwendungen, die einem als Lehrerin und Lehrer das Leben erleichtern, aber die hier aufgestellte Übersicht – die sich mit Sicherheit im Laufe der Zeit verändern wird – zeigt, wie sich das iPad im Lehreralltag sinnvoll einsetzen lässt. Ergänzungen und Kommentare sind herzlich willkommen!

Zu Hause bei der Unterrichtsvorbereitung

Zu Hause lässt sich das iPad natürlich gut für die Unterrichtsvoreberieung einsetzen. Ob ich nun Digitale Schulbücher nutze, mich mit Hilfe von iBooks oder Scook inhaltlich vorbereite oder mit Hilfe des Browsers im Netz recherchiere (z.B. auf der Suche nach legal nutzbaren Bildern, wie es sie bei Pixabay oder Photosforclass oder mit Hilfe der NRW-Lehrer-Suchmaschine learnline). Ob ich meine Arbeitsblätter mit Pages erstelle oder mit Scannable (Urheberrecht beachten) Inhalte zusammenstelle, das iPad bietet mir viele Planungs- und Vorbereitungsmöglichkeiten.

Will ich legal Filme mit dem iPad nutzen kann ich mit Hilfe der Software Documents und der (für Lehrer im Rhein-Kreis Neuss kostenlosen) Unterrichtsfilmplattform Edmond passende Filme für die Unterrichtsgestaltung finden.

Um meine Inhalte zu sichern, eignen sich Dateimanager wie
Documents oder der etwas teurere Filebrowser. Mit Hilfe dieser Browser kann ich in meiner Dropbox (Achtung Datenschutz!), aber auch im NRW-System Logineo, das sich momentan im Aufbau befindet, alle meine Daten speichern und ggf. weitergeben.

In Schule und Unterricht

Will ich mit dem iPad präsentieren, muss ich natürlich die technischen Voraussetzungen schaffen, ob ich es nun etwas oldfashioned mit dem VGA-Kabel (+Adapter) oder dem HDMI-Kabel (+Adapter) direkt mit dem Beamer verbinde oder aber kabellos mit Hilfe von HDMI-Kabel und AppleTV oder mit dem weitaus günstigeren EZCast, ist dabei für das Ergebnis fast egal. Ich kann alles, was ich auf dem iPad habe, problemlos mit dem Beamer präsentieren.

Natürlich lässt sich das iPad als auch ganz einfach als Dokumentenkamera nutzen, mit der neuen Split-Screen-Funktion kann ich sogar nur die eine Seite zeigen. Was auf der anderen zu sehen ist, kann nur ich sehen.

Es gibt natürlich auch spezielle Apps zum Präsentieren. So lassen sich auch analoge Postits mit der Postit-App in den Unterricht einbinden. Digitale Präsentationen kann ich mit Hilfe von Keynote erstellen und darstellen. Will ich eine interaktive Tafel, kann ich Doceri oder Explain Everything verwenden. Sollen außer mir noch andere auf die digitale Tafel zugreifen, kann ich dazu Baiboard nutzen. Alle erstellten Tafelbilder lassen sich mit Hilfe dieser Apps auch speichern und weitergeben.

In Sammlungsphasen bietet sich auch die Nutzung von Mindmapping-Programmen, wie Mindmeister oder Popplet an.

Mobile Endgeräte als eignen sich auch, um Feedback einzuholen oder den Schülern (und Eltern) Feedback zu geben. ClassDojo (Achtung Datenschutz beachten) ist so eine App.

Auch meine Kurs- und Notenverwaltung kann ich mit Hilfe des iPads organisieren, so lässt sich mit TeacherTool (27€), eine Version gibt es für eine Klasse kostenlos zum testen, sowohl der eigene Stundenplan als auch die gesamte Funktionalität von Notenbuch und Kursheft abbilden.

Für einzelne Fächer gibt es zudem noch zahlreiche Anwendungen und Apps, die hier aber nicht mehr aufgeführt werden können.

Diese Fortbildung können Sie über das KTeam im Rhein-Kreis Neuss kostenlos buchen.

10 Argumente für Tablets statt Notebooks. Eine Meinung

Aufgrund der Frage eines Schulleiters, ob es gute Argumente für den Einsatz von Tablets anstelle von Notebooks im Unterricht gibt, möchte ich die wichtigsten Argumente aus meiner Sicht anfügen:

  1. Tablets lassen sich in jedem Fach auch für kurze Phasen in den Unterricht integrieren. Im Gegensatz zu Notebooks starten Tablets unmittelbar und sind somit sofort einsetzbar. Sie können auch für kürzere Arbeitsphasen sinnvoll eingesetzt werden. Bei Nichtnutzung legen die SuS die Geräte umgedreht auf die Tische.
  2. Tablets ermöglichen es, sich auszusuchen, wo man lernt. Da die Geräte flexibel sind, kann jeder Schüler selbst entscheiden, wo er mit dem Gerät lernt. Ob in der Bibliothek, im Klassenraum oder auf dem Schulhof – der Lernort kann frei gewählt werden.
  3. 2015-09-24 16.54.34Tablets sind leicht und lassen sich ohne Aufwand und in beliebige Stückzahlen unterteilt transportieren. Auch größere Mengen Tablets müssen nicht mit einem sperrigen Wagen durch die Schule transportiert werden, sondern können, mal in 10er-Packs für eine Gruppenarbeit (verteilt auf drei Klassen), mal in 30er-Stückzahl für die Einzelarbeit im Klassenverband in der Schule in der Schule eingesetzt werden, je nach den Erfordernissen, die durch Inhalte, Lehrpläne und die Wünsche von Lehrern und Schülern formuliert sind.
  4. Auf Tablets gibt es zahlreiche Apps speziell für den unterrichtlichen Gebrauch von Lehrern und Schülern. Es gibt natürlich auch Programme für Notebooks, die sinnvolle unterrichtliche Arbeit ermöglichen, aber die Auswahl an didaktischen Apps ist unübertroffen. Seien es Apps für die Produktion von Büchern, Filmen, Fotos, Musik – einfach und intuitiv bedienbar sind diese Apps für Schüler allemal und damit bleibt für den wichtigen Fachunterricht mehr Zeit.
  5. Wer Fachunterricht digital stützen möchte, ist mit Tablets besser bedient. Will man das Fach Informatik unterrichten, würde ich mit Einschränkungen Notebooks oder feste Computer empfehlen,  für die üblichen Einsätze im Deutsch- oder Mathematikunterricht, im Fach Gesellschaftslehre oder Physik … Es geht hier immer um Lektüre und Recherche, produktive und kreative Arbeit, interaktives Üben, Kollaboration oder die Dokumentation von Unterrichtsinhalten. Hier ist das Tablet die bessere Wahl, weil es flexibler zu nutzen ist.
  6. Tablets ermöglichen einfache, intuitive Multimedia-Produktion. Im Gegensatz zu Notebooks lassen sich die viel mobileren Tablets auch für Film- und Fotoproduktion, Tonaufnahmen an allen gewünschten Orten verwenden, sei es zum Zeitzeugeninterview im Altenwohnhaus oder zum Actiondreh im Sportunterricht. Damit lassen sich unterrichtliche Projekte in schneller und einfacher Form verwirklichen, ohne viel technisches Vorwissen.
  7. Tablets eignen sich inzwischen sehr gut für die Textverarbeitung. Es gibt inzwischen außer gängigen Office-Lösungen zahlreiche auf schulische Vorgehensweisen spezialisierte Apps (z.B. Notability), die gute Textarbeit – handschriftlich und getippt – ermöglichen. Ohne Probleme lassen sich inzwischen auch Tastaturen anbinden, sodass die Argumentation von Christoph Pallaske aus dem Jahr 2012 mir inzwischen nicht mehr recht überzeugend erscheint.
  8. iPads lassen sich zentral pflegen. Im Gegensatz zu Notebooks lassen sich die Apple-Tablets – und bisher nur diese – durch eine zentrale Software auf einen Rutsch verwalten. Der Aufwand für eine solche Verwaltung auf Notebooks scheint mir höher.
  9. Von Tablets lässt sich gut präsentieren. Ob mit dem iPad, einem Android-Tablet oder mit einem Surface: Mit Hilfe kabelloser Empfänger lassen sich alle Schülerergebnisse problemlos von jedem Schülerplatz aus mit dem Beamer präsentieren. Ohne Kabel!
  10. Die Akkulaufzeit von Tablets ist hoch. Wer ein Notebook mit einer einem Tablet vergleichbaren Akkulaufzeit (10 Stunden) kaufen möchte, landet leicht bei Kaufpreisen von über 1000€.

Weitere Argumente für den Einsatz von Tablets bietet der Film zum Mobilen Lernen, der in Kürze im Rhein-Kreis Neuss auch online auf der EDMOND-Plattform verfügbar ist.