Digitales Lernen im Fach – Grundlagenwerke Deutsch & Geschichte

Der Einsatz digitaler Medien erfolgt sinnvoller Weise nicht etwa in einem Fach „Digitale Medien“, sondern bietet sämtlichen Fächern in der Schule vielfältige Chancen, die man als Lehrender dann nutzen kann, wenn man eine Idee davon hat, was man mit digitalen Medien im Unterricht erreichen kann.

Natürlich lassen sich grundlegende Überlegungen zur Didaktik des Lernens mit Digitalen Medien anstellen, aber auch die einzelnen Fächer müssen sich konkret aufstellen. Die folgenden Werke stellen dazu einen guten Einstieg dar, sind aber sicher nicht die einzigen zum Thema (bitte wichtige Hinweise gerne in den Kommentaren ergänzen).

In den letzten Wochen sind einige praxisorientierte Bücher – für manchen Kollegen sicher ein guter Einstieg – erschienen, die sich mit dem Einsatz von Computer, iPad und Co. im Unterricht der einzelnen Fächer beschäftigen und die daher für jeden Fachlehrer eine unabdingbare Lektüre darstellen. Einige davon möchte ich hier kurz vorstellen:

Deutsch

Als Grundlagenwerk für das Fach Deutsch dürfte sich Philipp Wampflers Neuerscheinung „Digitaler Deutschunterricht“ entpuppen. Auf der Seite des Verlages kann man in das Buch hineinlesen. Wampfler erläutert, welche produktiven und kreativen Ideen sich mit Hilfe digitaler Werkzeuge im Deutschunterricht verwirklichen lassen. In einem ersten Teil werden diese praktischen Anwendungen theoretisch unterfüttert. Hier können sie sich selbst einen Eindruck vom Buch verschaffen.

Für die Grundschule sei auf die beiden Bände „Deutsch digital“ verwiesen, die in einem Theorie- und einem Praxisband wesentliche Ideen vorstellen. Hier finden Sie eine Übersicht über den Inhalt.

Geschichte

Auch für das Fach Geschichte ist frisch aus der digitalen Druckerpresse ein neues Werk erschienen. Es handelt sich um das Praxis-Handbuch Historisches Lernen und Medienbildung. Noch habe ich kein Exemplar in Händen halten dürfen, der Verlagstext aber verspricht:

BernsenKerber.inddDas Praxishandbuch stellt Unterrichtstechnologien, Werkzeuge und Einsatzszenarien zur Arbeit mit digitalen Medien im Geschichtsunterricht vor. Erkenntnisse des computervermittelten Arbeiten und Lernens, der Visual History, der Zeitgeschichte, der Medientheorie und -pädagogik haben den Blick auf digitale Materialien als Quellen historischer Erkenntnis erweitert und verändert. Visuelle Darstellungen und Bilder haben dadurch gegenüber einer traditionell starken Textorientierung an Bedeutung für die Geschichtswissenschaft (iconic turn) und den Unterricht gewonnen.

Der Autor, Daniel Bernsen, ist ein versierter Kollege, der seit Jahren mit Schülerinnen und Schülern, aber auch mit Referendaren in diesem Bereich arbeitet und einen erstklassigen Blog zum Thema betreibt.

Unverzichtbar übrigens auch das Buch „Geschichte lernen im Digitalen Wandel“, das vom Arbeitskreis Geschichtsdidaktik und digitaler Wandel veröffentlicht wurde und dort auch online gelesen werden kann.

Naturwissenschaften

Durch Zufall bin ich auf diese Werke gestoßen, da gibt es sicher aber auch noch weitere, die ich als Geisteswissenschaftler kaum beurteilen kann.

Im Fach Chemie sei verwiesen auf den Basistext „Computer und Multimedia im Chemieunterricht heute – Eine Einordnung aus didaktischer und lerntheoretischer Sicht“, der als PDF kostenlos heruntergeladen werden kann und

Hilfestellung geben [will], den aktuellen Stand der erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Forschung kennen zu lernen, den Sinn des Computereinsatzes im Chemieunterricht einzuschätzen und damit an der Fortentwicklung des Einsatzes dieser interessanten Technologien für das Lernen von Chemie mitwirken zu können. Computer und Multimedia im Chemie-Unterricht

Das Fach Biologie bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte zum mobilen Lernen, die in dem (bereits 2013 erschienenen) Heft „Mobiles Lernen digital“ gut umrissen werden. Eine Idee bekommt man auch durch den Blog „Biologiedidaktik mal anders“.

Ich freue mich über weitere Hinweise über maßgebliche Werke in den Kommentaren

Wie setze ich digitale Medien lernförderlich in meinem Unterricht ein? In Schülerhand!

Im neuen Kerncurriculum für Referendarinnen und Referendare im Land NRW, das ab 2.9.2016 gilt, wird von ihnen die selbstreflexive Frage erwartet:

Wie setze ich (digitale) Medien lernförderlich in meinem Unterricht ein?

Das „Digitale“ steht wirklich in Klammern und Medien an sich waren wohl immer schon unverzichtbar. Dort steht auch: Lehrerinnen und Lehrer – ob nur für sich oder für die Schülerinnen und Schüler bleibt offen –  …

integrieren moderne Informations- und Kommunikationstechnologien didaktisch sinnvoll und reflektieren den eigenen Medieneinsatz

Immerhin wird auch die Frage aufgeworfen:

Was muss ich über die Mediengewohnheiten meiner Schülerinnen und Schüler wissen?

Und an anderer Stelle:

Wie kann ich mit Kolleginnen und Kollegen unter Nutzung von digitalen Medien kooperieren, sowie Unterricht und Beratung kontinuierlich und systematisch weiterentwickeln?

Genau genommen stellt sich für mich hier als zentrale Frage, was dieses Curriculum will:

Muss ich als Unterrichtender digitale Medien nutzen oder sollen meine Schülerinnen und Schüler digitale Medien nutzen?

Meine These: Mit diesem Kerncurriculum wird von Referendaren keine Unterrichtsplanung erwartet, die den Einsatz digitaler Medien durch Schülerinnen und Schüler voraussetzt. Die handlungs- und produktionsorientierten Chancen, die Digitales bietet, müssen nicht ausgeschöpft werden. Auch die im Kerncurriculum sehr wohl geforderte Individualisierung von Unterricht muss nicht mit Hilfe digitaler Medien ausgeschöpft werden.

Dieses Kerncurriculum greift zu kurz, insbesondere dann, wenn man sich ansieht, was die Österreicher von ihren Lehrern verlangen.

Nett: Digitale Geräte in der Hand des Lehrers

In der Hand des Lehrers ist das digitale Medium nicht unbedingt mehr als Tafel, DVD-Player und Fernseher. Als Lehrer kann ich ganz wunderbar mit Hilfe der digitalen Tafel oder mit iPad und Beamer meine persönliche Präsentationskompetenz ausbauen. Ich kann Filme zeigen, die ich bei EDMOND heruntergeladen habe oder bei Youtube finde, ich kann lehrerzentriert Powerpoints zeigen, Schülerarbeiten fotografieren und für alle sichtbar korrigieren (naja), das Tablet als Dokumentenkamera nutzen, Arbeitsblätter ausfüllen. Ich kann mit OneNote oder mit Goodnotes Tafelbilder (vor oder während der Stunde) entwerfen, ich kann Fotos zeigen und Audios vorspielen, ich kann sogar auslosen lassen, welcher Schüler vorträgt. Alles für mich unverzichtbar und praktisch, allerdings hat bei diesem Szenario noch kein Schüler ein digitales Medium benutzt. 

Schön: Interaktive Nutzung digitaler Medien

Nutzt man im Unterricht digitale Medien, um mit den Schülerinnen und Schülern in interaktiven Austausch zu kommen, ist man einen Schritt weiter. Ob Kahoot oder Nearpod, eine Lernplattform wie Moodle oder die Kombination aus analogen und digitalen Medien mit Hilfe von QR-Codes: Lehrer planen interaktive Materialien und die Schülerinnen und Schüler können sie nutzen. Und: Auch Schülerinnen und Schüler können den Beamer nutzen, um eigene Ergebnisse zu präsentieren!

Schöner: Rezeptive Nutzung digitaler Medien – Recherche im Netz

Die erste Idee, die viele bei der Nutzung digitaler Endgeräte im Unterricht haben, ist die Recherche. Ein wichtiger Faktor, sicher. Es lassen sich Vokabeln nachschlagen (z.B. mit dem kostenlos Pons-Wörterbuch) und sogar vorlesen. Lexika für alle Fächer und Altersgruppen sind zur Genüge zu finden. Großartige Seiten wie das Lebendige Museum (DHM) können für den Oberstufenunterricht beinahe das Geschichtsbuch ersetzen. Klug durchdachte Angebote wie SEGU-Geschichte ermöglichen völlig neue Formen der Nutzung von Internetangeboten für den Unterricht. Das Smartphone wird zum Kulturzugangsgerät.

Am schönsten: Analytische Nutzung – Inhalte filtern, beurteilen, sinnvoll nutzen können

Im Geschichtsunterricht werden schon immer Quellen analysiert. Wichtige Schritte um Fälschungen zu erkennen, sind Bestandteil der Quellenanalyse (vgl. Daniel Bernsens Blogeintrag). In Zeiten „alternativer Fakten“ müssen Schülerinnen und Schülern dazu weiterhin und noch viel mehr ermutigt und befähigt werden.

Ob man ihnen den Umgang mit Wikibu zeigt, um Wikipedia-Artikel beurteilen zu können oder ob sie lernen mit Hilfe von Mimikama und anderer Anbieter Fake-News zu erkennen und Internetquellen angemessen beurteilen zu können – letztlich war das immer schon Ziel von (Geschichts-)Unterricht. Im übrigen halte ich es für eine gute Idee mit den Schülern selbst einmal News zu faken, z.B. mit dem Online-Wahn-Generator!

Am allerschönsten: Produktive Nutzung digitaler Medien – produktionsorientiert arbeiten

Ihr volles Potential entfalten digitale Medien, z.B. Tablets und Smartphones, wenn die Schülerinnen und Schüler selbst damit arbeiten. 

Sie erstellen mit Hilfe einer Tabellenkalkulation im Geschichtsunterricht aus Zahlenreihen Grafiken und werten diese anschließend aus. Es können interaktive Erklärfilme z.B. mit Touchcast Studio erstellt werden, die für die Abiturvorbereitung später genutzt werden können. Mit Hilfe einer Greenscreen (siehe Bild und Beitragsbild) kann man sich einfach in historische Zusammenhänge versetzen. Die Dokumentation der eigenen Arbeit ist mit Hilfe von Portfolios (z.B. Mahara), aber auch in Blogs und Wikis möglich. Auch digitale Bücher, mit Videose und Audios angereicherte Bücher lassen sich z.B. mit dem BookCreator leicht erstellen. Hier gibt es tausende Anwendungen und Ideen!

Erst auf diese Weise entfaltet die Nutzung digitaler Medien im Unterricht ihr volles Potential: in der Hand von Schülerinnen und Schülern!
 

 

 

Interaktive Tafelsoftware: Notebook, Classflow und das Tablet…

Im Unterricht wird immer wieder die Tafel benutzt, ob von Schülerinnen und Schülern oder Lehrern. Ein Vorteil der Digitalisierung ist sicherlich, dass man SuS die Tafelbilder problemlos zur Verfügung stellen kann, indem man diese mit dem Smartphone abfotografiert und z.B. über Moodle zugänglich macht oder über Twitter…

Will man das Tafelbild direkt mit Hilfe des Computers und einer digitalen Tafel erstellen, gibt es unterschiedliche White-Board-Software, die zu den verschiedenen Hardware-Systemen gehört. Prinzipiell arbeiten diese mehr oder weniger gut mit den Softwareangeboten zusammen. Momentan sind die bekanntesten Systeme von interaktiven Tafeln (über Kommentare, Ergänzungen und Tipps diesbezüglich unten auf dieser Seite freue ich mich):

Meine bevorzugte Variante ist allerdings die Nutzung des iPads zur Erstellung von Tafelbildern. Hier ein einfaches Tafelbild, das mit Hilfe von Explain Everything erstellt wurde:

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Welche Software gibt es?

Zunächst muss man wissen, dass die verschiedenen Firmen ihre Software in der Regel nur für ihre eigenen interaktiven Tafeln lizensieren. Allerdings ist trotzdem häufig auch eine andere Nutzung möglich. Wer rechtlich sicher agieren möchte, dem sei die absolut kostenlose, nicht-kommerzielle Software OpenSankoré empfohlen.

Alle im folgenden genannten Tafel-Programme verfügen über die folgenden Grundfunktionen: „Interaktive Tafelsoftware: Notebook, Classflow und das Tablet…“ weiterlesen

Padlet – das digitale Einsteigertool für Lehrer

Eines der tollsten Lehrer- und Schülertools beschreibt heute Damian Duchamp in seinem (auch ansonsten empfehlenswerten) Blog:

Padlet ist eines der einfachsten und genialsten Tools, welche das Internet aktuell für den Unterricht zu bieten hat. Es ist eigentlich nichts anderes als eine Pinnwand, an welcher Inhalte ähnlich wie Haftnotizen gesammelt werden können. Was mir daran besonders gut gefällt, sind vier Dinge:

  • Vielseitigkeit
  • Plattformunabhängigkeit
  • einfachste Nutzung für Schüler wie Lehrer
  • deutsche Sprache

Padlet, ein Tool für Einsteiger

Wo Tablets, Smartphones, Laptops oder anderer Geräte mit Internetzugang in den Unterricht integriert sind, ist Padlet in der Regel bekannt und ein Werkzeug unter vielen. Aber aller Anfang ist schwer. Die Hürden erscheinen interessierten Lehrern oft höher als sie tatsächlich sind. Gerade für erste Gehversuche im Unterricht mit digitalen Tools braucht es Werkzeuge, die sehr einfach zu nutzen sind und keine Vorkenntnisse benötigen. Padlet ist ein solches Tool. Deshalb steht es bei meinen Fortbildungen immer ganz vorne.

Wie Padlet funktioniert und was genau man damit machen beschreibt Damian Duchamp hier ausführlicher! 

Filme: kostenlos & legal in der Schule zeigen

Heute morgen sprach mich in der Schule ein Kollege an, der mich fragte, wie man denn jetzt eigentlich an Filme von der „Kreisbildstelle“ (!) kommt. Ich sagte ihm: „Kein Problem, du kannst alle Filme auf deinen Rechner herunterladen und den Schülern zeigen, neu schneiden, vertonen!“ „Jetzt mal im Ernst!“, entgegnete er. Er konnte sein Glück kaum glauben, als ich ihm klar machte, dass das wirklich geht und das dieses Vorgehen auch noch völlig legal ist (anders als so manche Youtube-Vorführung im Unterricht). Seit Neuestem kann man als nordrhein-westfälischer Lehrer sogar den Schülern einen Code zur Verfügung stellen und sie können sich die Filme zu Hause ansehen.

Die Internetseite, die das ermöglicht heißt EDMOND NRW und ist für alle Lehrerinnen und Lehrer des Landes kostenlos verfügbar. Zunächst muss man sich aber über das eigene Medienzentrum einmalig anmelden. Das geht inzwischen ganz komfortabel online. Die Anmeldung wird vom Medienzentrum überprüft. Fertig!

Wer sich anmeldet, bekommt nun ein Suchfenster gezeigt, mit dem er nach vorhandenen Online-Medien, aber auch nach den im Medienzentrum vor Ort vorhandenen Offline-Medien (wie DVDs) suchen kann. Die folgende Übersicht erklärt, wie sich ein so gefundenes Suchergebnis zusammen setzt:

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Gefällt einem ein Medium, kann man es mit einem (dann grün markierten) Stern auf einer vorläufigen Medienliste (oben rechts) sammeln. Wieviele Medien man bisher aufgenommen hat, kann man der steigenden Anzahl in der Medienliste sehen. So lässt sich z.B. eine Auswahl aus Filmen für die kommende Unterrichtssequenz treffen. Anschließend lässt sich durch einen Klick auf die Medienliste eine inhaltlich-fachliche Medienliste (z.B. zum Thema „Nationalismus“) dauerhaft anlegen.

Klassische Medien laufen aus

Bei manchen Medien gibt es allerdings keinen Download, sondern ein Einkaufswagen-Symbol. Diese Medien sind als Hardcopy im Medienzentrum zu entleihen – wenn es denn noch eines gibt. Bei unserem Medienzentrum im Rhein-Kreis Neuss kann man sich die Medien auch liefern lassen. Wer möchte, kann sich – allerdings nur als Lehrer im Kreis Neuss – die Anschaffung von Medien für Edmond wünschen.

Für Schülerinnen und Schüler auch zu Hause verfügbar

Das Beste kommt zum Schluss: Will ich, dass die Schülerinnen und Schüler im Sinne des Flipped-Classroom-Prinzips die Filme bereits vorbereitend gucken, kann ich ihnen jede beliebige Liste per Mausklick auch zum ansehen zu Hause zur Verfügung stellen. Dazu wähle ich oben unter „Konto“ den Link „EDU-ID“ aus und kann dann mit Hilfe des Buttons eine EDU-ID-Liste, z.B. Klasse 7a oder Leistungskurs Geschichte 13 erzeugen. Diese lässt sich noch mit einem Kommentar versehen: „Hier die Filme, die ihr bis zur Klausur gesehen haben solltet!“ 😉 Die danach erzeugten Codes gibt man nun den einzelnen Schülerinnen und Schülern, die sich auf der Edmond-Seite damit anmelden können. 

Wählt man bei den erzeugten IDs die Ausdruckfunktion, geht es noch viel leichter. Es wird automatisch ein QR-Code (inkl. Integrierter EDU-ID) erzeugt, den man den SuS zeigen kann: Code scannen, Medienliste wählen, Film gucken!

Anleitungen Schritt für Schritt zum Nachlesen

Videotutorials zur Edmond-Nutzung

Wer lieber noch einmal filmisch gezeigt bekommt, wie Edmond funktioniert, kann sich die nagelneuen Videotutorials von Georg Weber ansehen. Er zeigt, wie man recherchiert, Medienlisten anlegt, mit Edu-IDs arbeitet usw. 
Zum schnellen Einstieg verleitet auch die Grafik von Marc Seegers (Medienzentrum Viersen). Wenn Sie darauf klicken, werden Sie zu einer vergrößerten, interaktiven Version weitergeleitet:

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Für Einsteiger: Digitale Medien im Geschichtsunterricht

Für eine LehrerInnen-Fortbildung, die als Einführung in die Nutzung digitaler Medien im Geschichtsunterricht gedacht ist, habe ich eine Präsentation erstellt, die auf die aus meiner Sicht wichtigsten bzw. gängigsten Seiten für Geschichtslehrer jeweils verlinkt. Dank wesentlicher Tipps von von Daniel Bernsen, dessen Blog „Medien im Geschichtsunterricht“ ich natürlich auch aufgenommen habe, hoffe ich, dass es eine gelungene Zusammenstellung ist. Wer kluge Ergänzungen hat, darf diese gerne in den Kommentaren hinzufügen. Ich werde diese dann in die Präsentation integrieren.

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Die Präsentation wurde übrigens mit Hilfe von Bunkrapp.com erstellt, einer sehr guten Seite – noch im Beta-Statium -, mit deren Hilfe man sehr leicht interaktive Präsentationen erstellen kann, die zudem noch gut aussehen. Die Bilder stammen alle von Pixabay.com und sind gemeinfrei.

Digitaler Erfahrungsersatz

Beim Lesen von gerade erschienen Blogeinträgen von Bob Blume und  Philipp Wampfler zur Frage danach, ob wir Digitalisierung in der Schule brauchen, ist mir aufgefallen, dass mir Digitalisierung genau genommen völlig egal ist, wenn auch unverzichtbar. Es geht um etwas ganz anderes.

Liest man im Standardwerk für die Lehrerausbildung „Leitfaden Schulpraxis“ nach, was beim Lernen denn eigentlich passiert, dann

„nimmt – allgemein gesprochen – eine Schülerin/ein Schüler Umwelterfahrungen auf, die er/sie verarbeitet und aktiv in die Struktur des bereits bestehenden Wissen eingliedert, mi dem Ziel, auf dies neuen Erkenntnisse zu einem späteren Zeitpunkt zurückgreifen zu können.“ (Bovet/Huwendiek, S. 170)

Es geht also beim Lernen um die wie auch immer geartete Speicherung von Umwelterfahrungen.

Das geht vor allem und am unmittelbarsten, wenn man gerade in der zu erfahrenden Umwelt unterwegs ist, sei es das Pferd im Stall, über das ich dort lernen kann, sei es die Wüste, in der ich unterwegs bin, sei es das Freilichtmuseum. Ich lerne!

In der Schule ist das mit der Unmittelbarkeit aber so eine Sache. Da gibt es vielleicht lebende Fische im Aquarium, ausgestopfte Modelle von Steinmardern (gibt’s die noch?), große Wandkarten mit detailgetreuen Abbildungen des Igels. Vielleicht auch Filme über das Pferd oder die Wüste. Außerdem informieren natürlich Schulbücher und Arbeitsblätter die interessierten Schülerinnen und Schüler über dies oder jenes, was es zu lernen gilt.

 „Wo [eine direkte Umwelterfahrung] nicht möglich ist, müssen Mittler (lat. Media) […] eingesetzt werden. Man kann also in einer allgemeinen Definition sagen, dass der Begriff Unterrichtsmedien all diejenigen Hilfsmittel bezeichnet, die als Erfahrungsersatz oder als Stellvertreter für die Wirklichkeit im Klassenraum zum Einsatz kommen.“ (Bovet/Huwendiek, S. 170).

Daraus lese ich, dass es eigentlich beim Lernen um Umwelterfahrung geht, die wir als Unterrichtende aber häufig über Medien vermitteln, um den Schülern einen „Erfahrungsersatz“ zu ermöglichen, und sei es nur, dass wir statt ins Theater zu gehen, den Faust von den Schülerinnen und Schülern im Stillen lesen lassen.

Besser wäre also, wenn alle Schülerinnen und Schüler die Umwelterfahrung selbst machen. So wird es im Jahr 2064 in Deutschland sein, wenn man Martin Walker und seinen gut fundierten Schilderungen im Roman „Germany 2064“ glauben will:

„Aus Bildungsreformen waren Schulen hervorgegangen, von denen Klaus als Kind nur hätte träumen können. Jeder Schüler lernte heute ein Musikinstrument spielen und Noten lesen. An jeder Schule gab es Musiklehrer, einen Chor und Theaterpädagogen, die mit jeder Klasse einmal im Jahr ein Stück auf die Bühne brachten. Jede Schule hatte ihre eigene Küche, in der Jungen und Mädchen kochen lernten und über gesunde Ernährung aufgeklärt wurden. […] Alle Eltern freuten sich […] auf das inzwischen traditionelle Fest zum Schuljahresende, bei dem die Schüler ihre Eltern und Lehrer mit einem Drei-Gänge-Menü bewirteten. […] Es gab Werkstätten an Schulen, in denen Mädchen und Jungen lernten, Holz und Metall zu bearbeiten, Fahrräder zu reparieren und Wände aus Ziegelstein zu errichten. Im Physiklabor löteten und überprüften die Schüler elektrische Schaltkreise; sie probierten sich an Computerprogrammen aus und bauten Radioempfänger zusammen. Zur Standardausstattung zählte auch ein Schulgarten samt Gewächshaus, in dem die Schüler das Gemüse und die Kräuter anbauten, die später in der Küche verarbeitet wurden. Aus den Früchten der Streuobstwiese pressten sie köstliche Säfte. Im Hühnergene und im Schweinestall lernten die Kinder den Umgang mit Tieren, an die sie Tag für Tag jeweils geeignete Essenreste aus der Küche verfütterten. Die Eltern wurden ermuntert, sich nach Belieben am Schulleben zu beteiligen. Klaus lud zum Beispiel jedes Jahr eine Abschlussklasse zu sich auf den Weinberg ein. Die Schüler halfen bei der Weinlese und er zeigen ihnen, wi die Trauben zu Maische verarbeitet wurden und die Rückstände vom Most getrennt wurden. […] Jedes Jahr im April veranstalten die Schulen einwöchige Klassenfahrten. […] In ganz Deutschland traf man Schüler an, die täglich zehn bis fünfzehn Kolieret über Land wanderten. Sie lernen, Karten zu lesen, ihre Zelte aufzubauen, Latrinen auszuheben, sich selbst mit Trink- und Waschwasser zu versorgen und ihr Essen zuzubereiten.“ (S. 307-309).

In diesen Schulen geht es vor allem um „Umwelterfahrung“, offenbar fast ohne „Erfahrungsersatz“; Medien im oben genannten Wortsinn werden hier so gut wie überflüssig, stattdessen geht es um die Erfahrung von Wirklichkeit, auch von digitaler übrigens.

Aber soweit sind wir 2016 (noch) nicht, auch wenn außerschulische Lernorte eine immer größere Rolle spielen, auch wenn Schulen sich verändern. Solange das so ist, sollten wir so oft wie möglich unsere digitalen „Kulturzugangsgeräte“ nutzen, um die Welt-Erfahrung der Kinder und Jugendlichen so gut wie möglich zu machen. Wir sollten alles an digitalen Inhalten, das es uns ermöglicht, einer echten Umwelterfahrung so nah wie möglich zu kommen, für unsere Schüler bereit halten: Rezeption von Filmen, interaktiven Karten, Erklärvideos, Wikipedia- und allen anderen Online-Texten und -Medien, vor allem aber auch digitale Werkzeuge zur Produktion und Veröffentlichung von Inhalten in Blogs oder ePortfolios und natürlich digitale Mittel, um miteinander zu kooperieren und zu kollaborieren. Für die Schüler sind diese Medien Teil ihrer Wirklichkeit und sie eignen sich hervorragend um Wirklichkeit ganz anders und unmittelbarer zu ver-mitteln.

Wie Lisa Rosa sagt:

„Wer solchen Zugang zur Teilhabe am Dauergespräch der Kultur mit sich selbst nicht nutzt, obwohl er ihn hat, wählt die Unmündigkeit für die Kultur des 21. Jahrhunderts.“

Um Bob Blumes Fragen zu beantworten:

„Meine erste Frage lautet: Brauchen wir die Digitalisierung wirklich? Meine zweite Frage lautet: In welchem Umfang brauchen wir sie überhaupt? Meine dritte Frage lautet: Beschäftigen wir uns mit den falschen Themen?“

Der Einsatz digitaler Medien ermöglicht, erzwingt, erwartet Weltwahrnehmung, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass Lehrkräfte„explizit […] machen, welche Lerneffekte sie beobachten und mit dem Einsatz bestimmter Methoden verstärken können.“ Wie die Referendarin Lotta klassisch formuliert: „Und soll Schule nicht an die Lebenswelt der Schüler anknüpfen?“ Die Frage schließlich, ob wir uns mit den falschen Themen beschäftigen, sollte vielleicht an die Lehrplanmacher gestellt werden…